Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde Kordel

Die Burg Ramstein

Südlich von Kordel erhebt sich über dem idyllischen Kylltal, auf dem 160 m hohen, gleichnamigen Sandsteinfelsen, die Ruine der ehemaligen kurtrierischen Landesburg.
Das Baumaterial besteht aus dem in den nahen Steinbrüchen gebrochenen grauweißen und roten Sandstein in unregelmäßigem Wechsel. Die heutige Anlage wurde zu Beginn des 14. Jhs. Anstelle einer älteren Anlage (vielleicht aus dem 10 Jh.) errichtet. Vor- und Hauptburg sind durch einen in den Felsen gearbeiteten Halsgraben getrennt. In der Hauptburg steht, auf einem, zum Teil überhängenden, Sandsteinfelsen, ein 25 m hoher, viergeschossiger Wohnturm. Erhalten ist gleichfalls noch ein Treppentürmchen an der Nordost-Ecke.

Anfang des 14. Jhs. Beginnt Erzbischof Diether (1300 - 1307) mit dem Bau der spätmittelalterlichen Burg. 1310 überträgt sein Nachfolger Erzbischof Balduin (von Luxemburg), das noch unfertige Gebäude dem Trierer Domdechanten Johann von Bruaco.
 
Um 1325 ist die Burg als viergeschossiges gotisches Turmhaus vollendet. 1674 nehmen französische Truppen die Burg durch eine List ein und zünden sie 1689 an. Im 18. Jh. macht man sie wieder teilweise bewohnbar. 1786 werden Hofhaus und Zehntscheune erneuert.. Ab 1828 ist das ganze Anwesen im Privatbesitz. Durch umfangreiche Sanierungsarbeiten ist die Burg vor dem weiteren Verfall gerettet worden. Vom einstigen Prachtbau ist zwar nur noch eine Ruine übrig geblieben, doch etliche erhaltene Bauteile geben uns eine Vorstellung von der Schönheit der früheren Höhenburg.
Heute gilt der Adelssitz mit seinem malerischen Standort in der westlichen Talbucht in der unteren Kyll, umgeben von üppigen, bewaldeten Felspartien des sehr steilen Buntsandsteingebirges, nicht nur als Wahrzeichen einer längst vergangenen Zeit, sonder lockt auch als beliebtes und komfortables Ausflugsziel mit Restaurationsbetrieben (seit 1851) zahlreiche in- und ausländische Gäste an. 


Das Kloster Winterbach

Im Jahre 1134 gründeten Zisterziensermönche aus Clairvaux in Winterbach bei Kordel ein neues Kloster. Sie taten das auf Bitten des damaligen Erzbischofs von Trier, Albero von Montreuil. Der Erzbischof war mit dem Abt des Zisterzienserklosters Clairvaux, dem heiligen Bernhard von Clairvaux (um 1090 - 1153), befreundet, der die Niederlassung seiner Mönche in Winterbach auch im Jahre 1135 besucht hat.
Ein Jahr später verlegte der Konvent den Sitz des Klosters von Winterbach in das Salmtal und gründete dort die Abtei Himmerod. Die Gründe für diese Umsiedlung sind bekannt: die Kyll, die das Besitztum der Mönche zu überschwemmen drohte, und die Unruhe der nahegelegenen erzbischöflichen Burg Pfalzel.
Von der ehemaligen Klosteranlage blieb nur noch der Hof Winterbach bestehen, der zwischen Kordel und Daufenbach auf der Flur Winterbach lag, an der Stelle, wo der Riedbach in die Kyll mündet.
Den Hof verkaufte die Abtei Himmerod im Jahre 1609 an den Freiherrn Karl von Kesselstatt. Erhalten haben sich von dem im 19. Jh. aufgegebenen Hof nur noch einige wenige Reste der Kapelle, denn vermutlich wurde die Anlage, wie so vielerorts alte Burgen und Ummauerungen, von der Bevölkerung als billiger Steinbruch für den eigenen Hausbau „ausgeschlachtet“.


Die Klausenhöhle

  In der Nordwand der Hochburg finden wir die Klausenhöhle. Diese ehemalige Eremitage im Klausengrund ermöglichte es Jahrhunderte lang Einsiedlern hier nach dem großen Vorbild des hl. Antonius ein frommes Leben zu führen.
Die Herrichtung der Höhle zu Wohnzwecken, im Sinne der Lebensweise des Einsiedlers, erforderte eine Menge Arbeit. Im Innern bemerkt man in etwa zwei Meter Hohe in gleichem Abstand beiderseitig eingehauene Balkenlöcher, die eine Decke trugen.
Sie sind in der über zehn Meter tiefen, sich verjüngenden Höhle fortgeführt und lassen eine Unterteilung des Innenraums vermuten. Der obere Nischenraum diente als geschützte Schlafstätte des Einsiedlers. Der Schlafraum war mit einer Leiter zu erreichen. Die Nische unter dem Etagenraum war offensichtlich zu einem Andachtsraum hergerichtet. Eine Rundbogennische, mit einem Strahlenkranz verziert, ist in den geglätteten Felsen eingehauen. Ein natürliches Loch in der Außenwand des Felsens ist zu einer wohlproportionierten Fensteröffnung gestaltet. Die in der Fensteröffnung und außen in der Westseite eingemeißelten primitiven Gesichter erinnern an Totenmasken. Rechter Hand vom Höhlenausgang sind gleichfalls in die vorspringende Felsensäule eine große Anzahl von Fratzen aller Art eingehauen.
Gegen Ende des letzten Krieges haben die Menschen in der Höhle Schutz gesucht und ihr einen exorzistischen Zweck gegeben. Sie sollten die fromme Stätte umschleichende böse Geister vertreiben.


Die Hochburg bei Kordel

Südlich von Kordel, schräg gegenüber in einem von Felsenköpfen umgebenen Seitental, auf dem rechten Kyllufer, liegt versteckt die Hochburg, etwa 500 m entfernt von der Genovevahöhle und der am Hochrand des Buntsandsteins befindlichen Beresley, den ausgedehnten römishen Sandsteinbrüchen unterhalb von Lorich.
Das natürliche Plateau von Butzweiler erstreckt sich hier in einer Felszunge mit steilen Felswänden zur Kyll. Diese Bergnase wird gegen die Hochfläche durch einen mächtigen Wall aus Erde und Steinen gesichert. Die steile Außenböschung (Graben) des Hauptwalles deutet auf eine Mauertechnik, die für die ältere Hunsrück-Eifel Kultur (späte Hallstattzeit) gekennzeichnet ist.
Dagegen sind die innerhalb des Walles befindlichen Reste einer Wehranlage weitaus jüngeren Datums. Es handelt sich dabei um eine frühmittelalterliche Burg, einen viereckigen Wehrturm. Diese Anlage ist von der übrigen älteren Befestigung durch einen in den Felsen gehauenen Graben abgesichert, in dem frühmittelalterliche Gefäßscherben (um 1000 n. Chr.) gefunden wurden.


Die Genovevahöhle

  Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts nannten die Kordeler diese Höhle einfach „Kutbachhöhle“. Die eindrucksvolle, halbrunde Höhle wurde offensichtlich nach der letzten Eiszeit (um 16000 bis 12000 v. Chr.) in der Altsteinzeit mindestens vorübergehend von Menschen (Hirten, Jäger, Einsiedler und Flüchtlingen) genutzt.
In dem riesigen, geschützten Raum der Grotte zeigen sich zahlreiche Einarbeitungen und Bänke.
Außer den Einmeißelungen zeigt sie jedoch keine Siedlungsspuren.
Wer Funde aus der Vorzeit bis zur Römerzeit erhofft, der sollte, wie manche vor ihm, den Schuttkegel unterhalb der Höhle erforschen.
Die Entstehung der Grotte ist auf die Erosionswirkung der Kyll und die Struktur des Gesteins zurückzuführen.  
Die Kyll hat sich nach und nach in die alte Landoberfläche eingeschnitten und floss früher zeitweilig an diesen Felswänden vorbei und hat diese durch Ausspülung gebildet.


Die "Glasheld" auf der Hochmark

Die frühen Kordeler Glasmacher siedelten sich zur Karolingerzeit (um 800) auf der Hochmark an. Die trierische Glasheld(= Glashütte), die im frühen und Hochmittelalter von den Franken unerhalten wurde, war die einzige im ganzen Rheinland. Schon die Römer hatten auf der Hochmark Glaswaren hergestellt, denn die dazu erforderlichen Grundstoffe (geeigneter Sand, Kalk, Soda sowie roter, blauer und grüner Farbstoff zum Einfärben) waren in der Gemarkung Kordel vorhanden. Nach der Römerzeit kamen die sachkundigen fränkischen Glasmacher, vermutlich auf Betreiben des hl. Amandus (594 - 684) in das Trierer Land. Er hatte im belgischen Hennegau das Kloster St. Amand gegründet und missionierte danach in der Westeifel. Auffällig ist seine Verehrung als Kirchenpatron im Glasort Kordel. In den Hennegau (um Namur) hatten sich um 500 die Glasmacher der bedeutenden römerzeitlichen Glashütte in Frechen bei Köln zurückgezogen. Wahrscheinlich hatte der hl. Amandus einige der Frechener Glashersteller überreden können, in den Dienst des Erzbischofs von Trier zu treten und sie zur Umsiedlung an die untere Kyll nach Kordel zu ermuntern - ein bemerkenswertes Beispiel frühmittelalterlicher Mobilität von Facharbeitern. Die in den römischen Steinbrüchen bei Kordel entdeckten Kupfermineralien Malachit (grün) und Azurit (blau) und in einem zusätzlich eingerichteten Bergwerkbetrieb geförderten Mineralien benutzten die mittelalterlichen Glasfabrikanten auf der Hochmark zur Einfärbung der von ihnen hergestellten Gläser. Die Erzeugnisse fanden besonders seit der Mitte des 11 Jhs. Absatzmärkte in vielen (Benediktiner-) Klöstern und Abteien Niederlothringens. Es ist anzunehmen, dass Kordeler Hochmarkgläser neben reichlicher Verbreitung im eigenen Sprengel (=Amtsbezirk) und auch in manche Kathedrale Ostfrankreichs (Metz, Toul und Verdun) und bis nach Kurköln (Schloss Gymnich) gelangt sind. Ein anderer Anwendungsbereich für das Kordeler Glas waren die Glasschmucksteine zum Verzieren von kostbaren Reliquiaren, Buchdeckeln, Kreuzen und anderen sakralen Gegenständen. Noch bis zum 13. Jh. waren die Glashütten in Betrieb, was die Erwähnung einer „Glashuve“ bei Kordel im Verzeichnis der regelmäßigen Jahreseinkünfte der Trierer erzbischöflichen Verwaltung (1215) beweist: so mussten die Kordeler „Glasbauern“ außer dem Glas auch noch landwirtschaftliche Erzeugnisse abliefern. Dieser Eintrag ist der zeitlich letzte Nachweis der Kordeler Glasfabrikation; so dürfte dann auch der Wald der Hochfläche erschöpft gewesen sein. Auf der Hochmark beginnt man nach der Glaszeit, die Hochfläche zur Ackerlandgewinnung gänzlich zu roden. So stellen die Glasbauern auch fortan den Kern der Dorfbevölkerung dar.